Europa - wie geht es weiter?

Dr. Heinz Fischer, Österreichischer Bundespräsident a.D., spricht zu einem Thema, das an Wichtigkeit und Aktualität durch die Ereignisse der jüngsten Vergangenheit zugenommen hat.

Erfahren Sie aus erster Hand, wie der erfahrene Diplomat, Polititer und Präsident der Österreichischen Volkshochschulen die Zukunft Europas sieht.


Heinz fischer im Gespräch

Dr. Heinz Fischer, Österreichischer Bundespräsident a.D. ist auf Einladung des Kiwanis Club Bozen und der Volkshochschule Südtirol in Bozen.

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Heinz Fischer im Gespräch

Von 2004 bis 2016 war Dr. Heinz Fischer Bundespräsident der Republik Österreich. Davor war Dr. Fischer Wissenschaftsminister sowie jahrzehntelang Nationalratsabgeordneter der SPÖ, von 1990 bis 2002 Präsident des Nationalrates.

Fischer ist seit 2016 Präsident des Verbandes Österreichischer Volkshochschulen, wie bereits von 1999 bis 2007, und seit 2017 Präsident des Instituts für die Wissenschaft des Menschen. Fischer ist zudem Autor mehrerer Bücher und hält Vorlesungen an der Universität Innsbruck, wo er sich vor beinahe 40 Jahren als Politikwissenschaftler habilitiert hat.  


Interview mit Dr. Heinz Fischer

 

Sehr geehrter Herr Dr. Fischer, weshalb engagieren Sie sich so stark für die  Volkshochschule?

Ich habe immer schon Bildung für einen wichtigen Faktor im menschlichen Leben aber auch für einen wichtigen gesellschaftlichen Faktor gehalten. Als Student hat mich die Hochschulpolitik interessiert und ich war Mandatar in der österr. Hochschülerschaft. Im Parlament hat mich u.a. die Wissenschaftspolitik interessiert und ich war dann von 1983 bis 1987 Wissenschaftsminister. Je älter ich wurde, umso mehr habe ich erkannt, wie hoch der Stellenwert der Bildung ist und wie wertvoll auch die Erwachsenenbildung ist. Daher habe ich gerne die Einladung der Präsidentin des Verbandes der österr. Volkshochschulen, Frau Gertrude Fröhlich-Sandner Ende der 90er Jahre angenommen, ihr Nachfolger als Präsident der österr. Volkshochschulen zu werden. Als Bundespräsident musste ich diese Tätigkeit beenden und habe sie nach dem Ende meiner beiden Amtsperioden gerne wieder aufgenommen.

Als Sie im Vorjahr wieder  zum Präsidenten der Volkshochschulen Österreichs gewählt wurden, haben Sie auf deren essentiellen gesellschaftlichen Auftrag verwiesen. Worin liegt dieser?

Stärke und Lebenskraft einer Gesellschaft wurden Jahrhunderte lang und sogar Jahrtausende lang an der Stärke ihrer Krieger und Soldaten gemessen. Dem folgte eine Zeit, wo die Stärke der Armee in Wahrheit von der industriellen Entwicklung der Vorräte an Kohle, Eisen, Öl, Verkehrsverbindungen und der Präzision der Waffen abhing.
Inzwischen aber sind wir längst in ein Zeitalter eingetreten, wo die Entwicklungschancen eines Landes vom Bildungssystem, von der Qualität der Universitäten, von der Kapazität der Forschungsinstitute etc. abhängt und in diesem Kraftfeld haben eben auch die Volkshochschulen und die gesamte Erwachsenenbildung eine Rolle und einen gesellschaftlichen Auftrag.

Welche Schwerpunkte müssen Bildungseinrichtungen für Erwachsene in den kommenden Jahren Ihrer Meinung nach setzen?

Gute und flexible Bildungseinrichtungen „setzen“ nicht Schwerpunkte, sondern orientieren sich an der Nachfrage und am Bedarf. Besonders groß ist meines Erachtens der Bedarf im Bereich neuer Technologien, im Bereich der Kommunikation, im Bereich von Fremdsprachen, aber auch im Bereich der physischen und psychischen Entwicklung. Dort, wo es sichtbaren Bedarf nach darüberhinausgehenden Angeboten gibt, muss es unser Bemühen sein, diesem Bedarf Rechnung zu tragen.

Wie wird sich Europa insgesamt weiterentwickeln? Bleiben Sie Optimist? 

Ich habe gerade am Zustandekommen eines Büchleins mitgewirkt, das den Titel „Österreich für Optimisten“ trägt und der von mir geschriebene Essay in diesem Büchlein hat den Titel „Wir schaffen das“.
Ich bin also Optimist und habe auch gute Argumente, warum ich Optimist bin.
Jemand, der in Österreich geboren wird, hat allen Grund, sich glücklich zu schätzen, dass er in diesem Teil der Welt begonnen hat. Unter den 7,5 Mrd. Einwohnern des Planeten Erde sind die 500 Mio. Europas zweifellos in vielfacher Hinsicht begünstigt. Unter den 500 Mio. Europäern ist Österreich in mehrfacher Hinsicht ausgezeichnet platziert, nicht nur was Pro Kopf Einkommen der Bevölkerung oder das Sozialsystem betrifft, sondern auch was das kulturelle Angebot, die Qualität der Umwelt, die soziale Sicherheit, das Gesundheitswesen, die Forschungsquote u.v.a betrifft.

Was die Weiterentwicklung Europas betrifft, gehört es zum Wesen der Zukunft, dass unterschiedliche Szenarien möglich sind, weil die Zukunft noch gestaltbar ist. Ich persönlich glaube, dass eine signifikante Vertiefung der EU unter den gegeben Umständen nicht mehrheitsfähig ist und daher ein Projekt auf längere Sicht bleiben muss, dass aber andererseits der Gedanke der europäischen Zusammenarbeit bereits so starke Wurzeln entwickelt hat, dass ich mir auch einen Zusammenbruch der EU nicht vorstellen kann und auch nicht erwarte. Da bin ich mehr Optimist als Pessimist.



VHS

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