Südtirols vergessene jüdische Familien

Bozen, Waltherhaus, Schlernstraße 1, Sparkassensaal
Kurs Nummer: 20W1A0502, Bozen
Zeit: 17:00 - 19:00 Uhr Start: Di 24.11.2020
Kursdauer: 1 Treffen / 2 Unterrichtseinheiten
Start: Di 24.11.2020
KursleiterIn: Dr. Sabine Mayr
Eur 5,-
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Hinweis zu den Gebühren: begrenzte Teilnehmerzahl - Anmeldung erforderlich

Details zum Angebot

1872 wurde die Königswarter-Stiftung in Meran gegründet. Jüdinnen und Juden unterstützten die Entwicklung Merans zum international beliebten Kurort. Sie kamen aus verschiedenen Ländern, waren liberal und reagierten auf den Tiroler Antisemitismus. Das Ende der jüdischen Gemeinde begann mit den "Rassengesetzen" 1938. Ab 1943 kam es auch in Südtirol zur mörderischen Verfolgung.

Bis 1914 befand sich das Rabbinat für Tirol und Vorarlberg, das auch für Südtirol zuständig war, in Hohenems. Aus dessen Aufzeichnungen geht hervor, dass im Jahr 1845 in Meran ein Kind jüdischer Eltern geboren wurde. Im selben Jahr, 1845, veröffentlichte der klerikale Autor Beda Weber eine Darstellung über Meran, in der weder jüdische Einwohner noch jüdische Kurgäste aufscheinen. Gab es diese noch nicht oder wollte man sie nicht erwähnen?
Politisch trat Beda Weber bekanntlich für Großdeutschland und gegen liberale Reformen ein. Mit den Verfechtern des Tiroler Katholizismus verteidigte er die konfessionelle "Glaubenseinheit Tirols". Der Meraner Pfarrer Anton Santner beklagte 1853 eine katholisch-evangelische Eheschließung als "ersten Sprung in der Glaubenseinheit des Landes".
Ab 1847 belegen auch Zeitungen den Meran-Aufenthalt der Hohenemser Brüder Daniel und Jakob Biedermann, der Gründer der Biedermann-Bank. Sie förderten nicht nur die Entwicklung des wachsenden Kurorts, sondern auch das Gedeihen eines zukünftigen jüdischen Gemeindewesens. Aron Tänzer, Meraner Rabbiner von 1905 bis 1907, würdigt in seinen umfangreichen Studien zur jüdischen Geschichte Tirols und Vorarlbergs die Brüder Biedermann als frühe Pioniere der jüdischen Gemeinde in Meran - neben Doktor Raphael Hausmann aus Breslau, dem ersten jüdischen Kurarzt Merans.
Die Geburt Cäcilie Katzenmaiers am 24. November 1845 bestätigt indes die damalige Anwesenheit einer jüdischen Familie, nicht nur in Bozen, sondern auch in Meran. Cäcilies Ehemann Moritz Löwenberg war ein Urenkel des Hoflieferanten Lazarus Josef Levi. Dessen Schwester, Susanna Scheinle Levi, war mit dem "Vorsteher der Juden" in Bozen, dem Kaufmann Heinrich Henle verheiratet. Heinrich Henle ließ Aron Tänzer zufolge in Zwölfmalgreien einen jüdischen Friedhof anlegen, spendete für ein Feldlazarett, als Bozen von französischen Truppen belagert wurde, und finanzierte darüber hinaus den Bau eines Krankenhauses. Dafür wurde er zum k. k. Hoffaktor ernannt. Heinrich und Susanna Henle hinterließen Stiftungen zur Förderung bedürftiger Juden und allgemein armer Mädchen, ungeachtet der Frage, ob sie jüdisch, evangelisch oder katholisch waren.
Es folgen knappe 100 Jahre, in denen sich die Förderer und Mitglieder der 1872 gegründeten Königswarter Stiftung in Meran - ab 1921 der staatlich anerkannten jüdischen Gemeinde - für eine liberale und demokratische Entwicklung der Gesellschaft einsetzten. Von klerikal-konservativen Medien, die den Machtverlust fürchteten, wurden sie dafür diffamiert. Im Zuge des Vortrags wird auf einzelne Familien näher eingegangen.

Kurstage

Datum
Zeit
Dauer
Ort
Di 24.11.2020
17:00 - 19:00 Uhr
120 Min.
Bozen, Waltherhaus, Schlernstraße 1, Sparkassensaal
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Bozen, Waltherhaus, Schlernstraße 1, Sparkassensaal
Bozen
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