Philosophie: Welche Wege der Freiheit gehen?

Bozen, Waltherhaus, Schlernstraße 1, Saal C
Kurs Nummer: 22F1F0104, Bozen
Zeit: 09:30 - 11:30 Uhr Start: Sa 19.03.2022
Kursdauer: 4 Treffen / 8 Unterrichtseinheiten Ende: Sa 09.04.2022
Start: Sa 19.03.2022
Ende: Sa 09.04.2022
EUR 85,-
Buchen

Details zum Angebot

Die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Epidemie stellen demokratiepolitisch zweifelsohne einen nie da gewesenen Eingriff in die Freiheitssphäre der Bürger dar. Angesichts der gewaltigen Einschränkungen, die in Italien auf der Basis des "stato di emergenza" und in Deutschland auf der Grundlage des Infektionsschutzgesetzes exekutiert wurden, stellt sich notgedrungen die Frage, wie weit ein Staat selbst in prekären Situationen wie der Pandemie die Grundrechte aberkennen darf. Die Verhältnismäßigkeit der Mittel und das öffentliche Interesse sind die Minimalbedingungen, um irgendwie noch von Rechtstaatlichkeit sprechen zu können.
Die Maßnahmen haben die Kritiker unterschiedlicher weltanschaulicher Provenienz auf den Plan gerufen. Um diese Kritik etwas zu sortieren, bietet sich in der Philosophie seit den Zeiten der Aufklärung die Unterscheidung zwischen positiver und negativer Freiheit an. Damit erhält man ein grobes Muster, um die herumschwirrenden Freiheitskonzepte zum Zwecke der Transparenz analytisch abzugrenzen.
In linksprogressiven Kreisen liegt der Schwerpunkt auf dem positiven Freiheitsbegriff. Er ist mit "Freiheit zu" bestimmbar. Er macht nicht an den Außengrenzen des Individuums halt, sondern nimmt das Gemeinwohl und das Kollektiv in den Blick. Positive Freiheiten bedeuten Zugang zur politischen Mitgestaltung der Gesellschaft, zu Bildung, zum Gesundheitswesen usw. Deshalb muss die Freiheit eine Allianz mit anderen Prinzipien wie Gerechtigkeit, Gleichheit, Solidarität eingehen, will man nicht, dass sie auf Kosten anderer (in der Regel der Schwachen) geht.
Das bürgerlich-konservative (auch politisch rechte) Lager orientiert sich vielfach an einem negativen individualistischen Freiheitsverständnis, das den Stempel des Neoliberalismus trägt. Von einem negativen Freiheitsbegriff spricht man dann, wenn für den Einzelnen die "Freiheit von" (staatlichen Zwängen, äußeren Einschränkungen) zentral ist. Negative Freiheit postuliert für das Individuum private Sphären, die unabhängig von politischer, sozialer Kontrolle sind, und ergänzend betrachtet, für die Wirtschaft die Unabhängigkeit vom Staatskoloss.
Allerdings blendet diese Freiheitsidee das Soziale und die Interdependenzen in der Gesellschaft (z.B. unterschiedliche Vulnerabilitäten) aus. Wünschenswert wird demnach ein System von Freiheit sein, das persönliche Freiheit in Einklang bringt mit den sozialen und wirtschaftlichen Ansprüchen der Gesellschaft. Die Epidemie, die wie ein Vergrößerungsglas auf bestehende Probleme wirkt (siehe zum Beispiel die Kluft zwischen arm und reich), lehrt uns u.a.: der Weg zurück zu einem neoliberalen Denken, zu einem rein negativen Freiheitsverständnis kann nicht der richtige Weg sein.
Marica Bodrozic verarbeitet in ihrem Roman "Pantherzeit" literarisch-philosophisch hochwertige Reflexionen zum Leben hinter Gittern in der Corona-Zeit und hegt mit dem Ende der Pandemie die Hoffnung:
"Es entsteht gerade die Möglichkeit einer neuen Zukunft, ich will nicht, dass die alte Normalität der Ellenbogen und der Gleichgültigkeit zurückkehrt."
Ziel der Veranstaltung ist es, das Spannungsfeld zwischen diesen beiden zu fokussieren und zu diskutieren.

Kurstage

Datum
Zeit
Dauer
Ort
Sa 19.03.2022
09:30 - 11:30 Uhr
120 Min.
Bozen, Waltherhaus, Schlernstraße 1, Saal C
Sa 26.03.2022
09:30 - 11:30 Uhr
120 Min.
Bozen, Waltherhaus, Schlernstraße 1, Saal C
Sa 02.04.2022
09:30 - 11:30 Uhr
120 Min.
Bozen, Waltherhaus, Schlernstraße 1, Saal A
Sa 09.04.2022
09:30 - 11:30 Uhr
120 Min.
Bozen, Waltherhaus, Schlernstraße 1, Saal C
Buchen

Zum Kursort

Bozen, Waltherhaus, Schlernstraße 1, Saal C
Bozen
Vhs Logo

Ihr Browser oder dessen Version ist veraltet und diese Seite damit nicht darstellbar. Bitte besuchen Sie unsere Seite mit einem aktuellerem Web-Browser. Auf der Webseite browsehappy.com finden Sie eine Auswahl an aktuellen Web-Browsern und jeweils einen Link zu der Herstellerseite.